Coronavirus: Gefahr oder Chance für Aktien?

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    Ein neuer, unbekannter Coronavirus überfällt wieder einmal China und bringt mitten im Neujahrsfest, dem chinesischen Äquivalent zu Weihnachten, das soziale Leben vieler Millionen Menschen zum erliegen.

    Bisher haben Aktien kaum auf die weitere Ausbreitung des Virus reagiert. Die amerikanische Börse und der Dax befinden sich nur knapp unterhalb ihrer Hochs.

    Ganze Millionenmetropolen werden unter Quarantäne gestellt, Straßenverbindungen werden gekappt und Bilder von verzweifelten mit Masken bedeckten Gesichtern in überfüllten Krankenhäusern überfluten das Internet.

    Wie wird die Börse reagieren, wenn sie realisiert, dass der Einfluss des Virus möglicherweise größer sein könnte, als bisher angenommen wird?

    Wie sollte man am besten mit der aktuellen Situation umgehen. Welche Unternehmen könnten gewinnen, welche verlieren?

    Schlimmer als SARS?

    Ich maße mir nicht an, eine Meinung darüber äußern zu können, wie die weitere Ausbreitung des Coronavirus verlaufen wird.

    Selbst Experten sind sich dabei völlig uneinig. Während einige sich äußerst besorgt äußern, ziehen andere Vergleiche zu Influenza und sehen beim neuen Erreger ein vergleichweise geringeres Risiko und übertriebene Panik.

    Fakt ist aber, dass an SARS weltweit nur 8000 Menschen erkrankten mit einer Sterblichkeitsrate von etwa 10%.

    Insgesamt wird geschätzt, dass SARS weltweit etwa 40Mrd USD an Kosten verursachte. Diese Zahl ist kaum erwähnenswert, wenn man die Größe der weltweiten Wirtschaft betrachtet.

    Wahrscheinlich bereits 100.000 Infizierte

    Die bisherige Ausbreitung des Coronavirus deutet allerdings auf einen expotentiellen Trend ist hin. Es wird immer wieder betont, dass insbesondere die lange Inkubationszeit im Vergleich zu SARS die Ausbreitung beschleunigt.

    Speziell während des jetztigen Neujahrsfests reist ein großer Teil der Bevölkerung durch das Land und viele Infizierte wissen selbst nichts von ihrer Infektion, erscheinen für Menschen oder Wärmescanner gesund und sind nicht als Gefahr identifizierbar.

    Wie so oft, ist chinesischen staatlichen Stellen und ihren Angaben zu misstrauen. Während von offizieller Seite von 2800 Infizierten gesprochen wird, geht ein WHO Experte von bereits jetzt von 30.000 bis 200.000 Infizierten aus.

    Wie reagiert die Börse auf die Virusgefahr

    Aufgrund dieser Fakten erscheint die Annahme, dass die Tragweite und die damit verbundenen Kosten dieser Epidemie um ein vielfaches höher sein werden als die von SARS.

    Wieviele Menschen erkranken werden, ist ungewiss. Die Börse jedoch beginnt bereits Szenarien einzupreisen und wie so oft ist zu befürchten, dass sie dabei nach unten übertreiben könnte.

    Erschwerend kommt hinzu. dass sich das Börsensentiment, also die Stimmung der Anleger, nachwievor auf einem hohen Niveau befindet und damit entsprechendes Rückschlagpotential bietet.

    Gewinner und Verlierer an der Börse

    Wie bei jeder Krise fangen Menschen an, darüber nachzudenken, welche Unternehmen besonders hart davon getroffen werden und welche Unternehmen besonders davon profitieren könnten.

    Zu den offensichtlichen Verlierern gehören Touristikunternehmen und Fluggesellschaften. Sollte sich die derzeit noch primär auf China begrenzte Pandemie international ausbreiten, sind auch internationale Reisebeschränkungen über China hinaus denkbar. Deutlich fallende Aktienkurse könnten die Folge sein.

    Auf der Gewinnerseite kommen als allererstes Aktien im Medizinsektor in den Sinn, insbesondere solche, die medizinische Utensilien zur Verfügung stellen, die aktuell so dringend in den vom Coronavirus heimgesuchten Gebieten gebraucht werden.

    Videos und Bilder von leergefegten Supermärkten in Wuhan, aber auch in anderen Metropolen machen die Runde. Äußerst gefragt und überall ausverkauft sind besonders Atemschutzmasken, die vor einer Ansteckung schützen können.

    Lianluo Smart Limited als Gewinner?

    An der US Börse gibt es eine überschaubare Anzahl von chinesischen Unternehmen im Medizinsektor. Unter diesen Werten sticht die Performance einer Aktie ganz besonders hervor.

    Lianluo Smart Limited, konnte sich innerhalb weniger Tage mehr als verdoppeln, nachdem der Aktienkurs über viele Jahre immer weiter gesunken war.

    Das Unternehmen bietet medizinische Geräte wie tragbare Schlaf-Atemwegs-Lösungen, medizinische Kompressoren und allgemeine Krankenhausprodukte an.

    Mit dieser Palette trifft es genau den Geschmack der Aktionäre, denn solche Produkte werden dringend in Krankenhäusern in Wuhan benötigt.

    Ein sicherer Tipp also?

    Falsch gedacht, denn es gibt gute Gründe, weshalb diese Aktie von Investoren in den letzten Jahren abgestraft wurde.

    Die Umsätze sinken bereits seit Jahren und aus dem einst profitablen Unternehmen ist ein Kapitalvernichter geworden. Ehrlicherweise kann ich kaum nachvollziehen, wie ein Unternehmen mit solchen Zahlen noch existieren kann.

    Falsche Hoffnung

    Der aktuelle Hype um Lianluo Smart Limited erinnert mich sehr stark an den Hype um Seltene Erden Aktien, den man kurzzeitig im Jahr 2019 beobachten konnte.

    Mitten im Handelsstreit gab es Warnungen und Ängst, dass die chinesische Regierung als weltweit größter Produzent seltener Erden, den Zugang einschränken und damit die Preise in die Höhe treiben könnte.

    Schnell wurden Lynas und andere Seltene Erden Aktien als Gewinner ausgemacht. Der Markt stürzte sich auf diese Aktien und trieb ihre Kurse kurzzeitig in die Höhe.

    Wie so oft, kam es anders als alle dachten. Das Schreckgespenst Handelskonflikt verliert zunehmend seine Zähne. Der extreme Anstieg der Preise seltener Erden ist ausgeblieben und die Hoffung vieler Investoren schnelles Geld mit dem Hype machen zu können, ist ausgeträumt.

    3M als Gewinner?

    3m ist globaler Konzern mit einem jährlichen Umsatz von 32Mrd USD einer der größten Hersteller von Atemschutzmasken weltweit. In China gehört 3M zu den beliebtesten Marken.

    Atemschutzmasken gehören in Zeiten von Pandemien zu den Verkaufsschlagern schlechthint. Dass es in China nahezu eine Unmöglichkeit geworden ist, an neue Masken zu kommen, ist nachvollziehbar. Die Situation geht sogar soweit, dass Menschen es nun zum Geschäft gemacht haben, gebrauchte Masken einzusammeln und wiederzuverkaufen.

    Unfassbar einerseits, gutes Geschäft für 3M andererseits.

    Ein guter Deal?

    Wer jetzt glaubt, den heiligen Gral gefunden zu haben, den muss ich leider schon wieder enttäuschen, denn 3M verdient nur etwa 10% der Umsätze mit Masken.

    Um einen deutlichen Anstieg der Gesamtumsätze und des Aktienkurses zu bewirken, müssten die Verkaufszahlen über einen längeren Zeitraum deutlich und zwar um ein vielfaches ansteigen.

    Ginge man von einer langfristigen Verdopplung der Umsätze mit Masken aus , könnte man dem Unternehmen eventuell einen Kursanstieg zugestehen. Dass diese Pandemie so lange andauert, ist jedoch ungewiss und es ist unklar, wie andere Bereiche des Unternehmens sich entwickeln.

    Fraglich ist auch, wie schnell 3M die Produktionskapazität vergrößern könnte, um schneller Masken liefern zu können.

    ACM Research – zweite Chance zum Einstieg?

    Vor kurzem bin ich bei meiner ständigen, niemals endenden Suche nach Aktien auf ACM Research gestoßen. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das sogenannte Wet-cleaning Wafer herstellt, große Maschinen, die ein wichtiger Teil des Herstellungsprozesses von elektronischen Chips sind.

    Lange Zeit erlebte ACM ein Schattendasein an der Börse, bis vor kurzem einige Investoren auf den zuletzt starken Anstieg von Umsätzen und Profitabilität stießen und die Aktie innerhalb kürzester Zeit um einige 100% anstiegen ließen.

    Leider war es für ein Investment bereits zu spät, als ich ebenfalls über ACM stolperte, während ich in finviz nach stark wachsenden Unternehmen suchte.

    Die Situation in Wuhan ist bei ACM Research in mehrfacher Hinsicht besonders relevant, obwohl es sich um ein amerikanisches Unternehmen handelt.

    ACM betreibt nicht nur zwei Produktionsfabriken in China, sondern ihr größter Abnehmer, YTMC, ist ein in Wuhan ansässiges Unternehmen.

    YMTC (Yangtze Memory Technologies) wächst extrem stark und plant seine Produktion in den nächsten Jahren zu vervielfachen. In 2018 war YMTC bereits der größte Kunde von ACM mit einem Umsatzanteil von 39%.

    Mit der Abschottung von Wuhan dürfte die Produktion von YMTC weitestgehend, wenn nicht sogar absolut, zum Erliegen gekommen sein. Dies wird je nach Dauer der Epedemie möglicherweise ebenfalls massiven Einfluss auf die Zahlen von ACM haben.

    Der Aktienkurs von ACM wird sich hoher Wahrscheinlichkeit nach weiter nach Süden bewegen und die kürzlich gemachten Gewinne wieder aufbrauchen.

    Der folgende Crash könnte die Chance für einen Einstieg bei ACM bieten.

    Es könnte sich lohnen, die Situation zu beobachten und ACM auf die Beobachtungsliste zu setzen, denn sowohl die hohen Margen, als auch das hohe Wachstum sind speziell für ein Industrieunternehmen überaus beindruckend.

    Aktuell ist ACM zu teuer für meinen Geschmackt, doch das muss nicht so bleiben.

    Neue Einstiegschancen bei chinesichen Bildungsunternehmen?

    Über chinesische Bildungsunternehmen wie GSX (Artikel hier) und TAL hatte ich bereits mehrfach im Newsletter und auf Twitter berichtet.

    Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere, doch wir sehen meist so lange mit Bedauern auf die geschlossene Tür, dass wir die, die sich für uns geöffnet hat, nicht sehen.

    Der insbesondere zuletzt starke Anstieg bei TAL und GSX endete kürzlich und mündete in längst fälligen Korrekturen, die sich aufgrund der Situation in China nun nochmals verschärfen könnten.

    Insbesondere bei GSX könnte sich hieraus eine neue Einstiegschance für diejenigen ergeben, die den ersten Anstieg verpasst haben oder ihre Positionen ausbauen wollen.

    Auch wenn die Schulferien erst kürzlich von der chinesischen Regierung verlängert wurden, sind reine Onlineanbieter wie GSX weit weniger davon betroffen als andere Bildungsunternehmen.

    Über seine Plattform ist GSX in der Lage riesige Klassen von mehreren 10.000 Schülern parallel zu unterrichten, und zwar unabhängig von ihrem Aufenthaltsort. Die Schüler müssen also nicht einmal das Haus verlassen.

    Ob wir kurzfristig einen Einfluss auf die Zahlen sehen werden, ist ungewiss, langfristig könnte die aktuelle Situation GSX eventuell sogar einen Vorteil verschaffen und letztendlich zu einem höheren Kundenwachstum führen.

    Fazit

    Die Börse schläft nicht, egal was gerade in der Welt geschieht. Schaut man sich rückblickend verheerende Ereignisse wie beispielsweise den zweiten Weltkrieg an, so sind diese nichts mehr als Dellen im langfristigen Aufwärtstrend.

    Entscheidend ist, dass man auch in schwierigen Situationen einen klugen Kopf bewahrt und die Situation analysiert. In jeder Situation, egal wie schlimm sie erscheinen mag, gibt es Risiken, aber auch Chancen.

    In diesem Artikel habe ich Unternehmen vorgestellt, von denen ich glaube, dass sie das Potential haben, als Gewinner aus der aktuellen Situation hervorzugehen. Andere sind nur scheinbar gute Investment Ideen, entpuppen sich bei näherer Analyse jedoch nicht als solche.

    Beobachtung, Geduld und Pragmatismus sind die Schlüssel zum Erfolg an der Börse.

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