Coronavirus in Europa und Folgen für den Aktienmarkt

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Alarmed female traveler wears medical mask to protect against coronavirus. Concept individual means protection against biological pollution. Deadly coronavirus in China 2019 2020 2019-nCoV

aus aktuellem Anlass möchte ich mich nach meinem ersten Artikel zum Coronavirus nun nochmals zur aktuellen Situation am Aktienmarkt äußern.

Es scheint so, als sei das Coronavirus nun auch in Europa angekommen, nachdem der Rest der Welt außerhalb Chinas die Gefahren langezeit unterschätzt hatte.

Insbesondere in Deutschland hieß es lange, das Virus sei weit weniger gefährlich als die Grippe und es bestände kaum Grund zur Sorge.

Schon damals stand die rigorose Vorgehensweise der Chinesen mit Straßensperrungen, Quarantänen und anderen extremen Maßnahmen im starken Gegensatz zu der westlichen Meinung eines Virus, der lediglich die Gefährlichkeit des Grippevirus aufweise.

So leben die Chinesen aktuell

Aus erster Hand weiß ich, wie das tägliche Leben in China heute tatsächlich aussieht. Die Familie meiner Frau lebt im Norden Chinas in einer Stadt, die etwa zwei Stunden von Beijing entfernt liegt und die kaum vom Virus betroffen ist.

Trotzdem verbringt die Familie den größten Teil der Zeit zuhause. Die Schulen sind geschlossen und wann diese wieder öffnen, ist ungewiss. Die Schwester meiner Frau, die in einer Bibliothek arbeitet, ist dauerhaft beurlaubt.

Menschen gehen lediglich schichtweise und abwechselnd zur Arbeit oder arbeiten von zuhause, wenn dies möglich ist.

Täglich muss die Familie ihren Gesundheitszustand über Wechat melden mit detaillierten Angaben über Wohlbefinden, Temperatur etc. Es wird vermieden einkaufen zu gehen, sondern meist von zuhause aus bestellt.

So oder so ähnlich gestaltet sich das Leben fast aller Chinesen heute, unabhängig davon, ob es am jeweiligen Wohnort viele Fallzahlen gibt oder nicht.

In der Heimatstadt meiner Frau wurden ledglich wenige begrenzte Fälle des Virus gemeldet. Trotzdem ist die Stadt und das Leben ihrer Bewohner nahezu lahmgelegt.

Die Situation in Europa hat sich grundlegend geändert

Bisher hatte ich gehofft, dass eine Eingrenzung und Begrenzung auf China gelingen kann, insbesondere auch weil das chinesiche System wohl als einziges Land der Welt dazu in der Lage wäre.

Die Maßnahmen scheinen in China auch zu greifen, denn die Kurve der Neuinfektionen flacht sich stark ab und die Zahl der geheilten Fälle steigt stetig. Fälle in Europe, den USA oder sonstwo waren bisher sehr begrenzt und es gelang diese zu isolieren und eine Verbreitung zu verhindern.

Auch in Deutschland blieben die Infektionsfälle im wesentlichen auf Webasto Mitarbeiter begrenzt und konnten effektiv eingedämmt werden.

In den letzten Tagen hat sich die Situation jedoch grundlegend verändert. Mit der expotentiellen Ausbreitung in Italien und den zu zaghaften Bemühungen der Regierungen scheint das Tor für den Virus in Europa nun weit geöffnet zu sein.

Auch Jens Spahn schlägt nun grundlegend andere Töne an als noch vor wenigen Tagen oder Wochen. Meines Erachtens ist Europa nicht ausreichend auf diese Virus vorbereitet.

Es gibt zwar Spezialkliniken und Krankenhäuser können sich darauf vorbereiten, einen Ausbruch im Ausmaß von Wuhan wird in Europa jedoch vermutlich zu ähnlichen Bildern von überfüllten Krankenhäusern führen, wie in China.

Es könnte Europa sogar noch härter treffen als China, weil ich nicht daran glaube, dass europäische Regierungen rechtzeitig derart entschlossene Maßnahmen ergreifen werden wie die Chinesen, die mit ihrem autoritären Staatsapparat dazu in er Lage sind.

Auch die Einstellung der chinesischen Bevölkerung ist eine grundlegend andere als im Westen. Jeder hilft mit bei der Einschränkung und aktzeptiert die Maßnahmen der Regierung. Menschen hören auf ihre Regierung und sind weniger liberal eingestellt als in Europa.

Die Mentalität von Freiheit, die bei uns herrscht ist zwar wunderbar, aber im Falle eines Virusausbruchs wohl kontraproduktiv.

Was wird die Börse nun daraus machen und was wird passieren? Sollte man verkaufen, nichts tun oder was genau?

Nun diese Frage habe ich mir verständlicherweise selbst intensiv gestellt und eine klare Antwort zu geben, ist äußerst schwierig.

Das Marktsentiment

Der Feer and Greed Index, der die Stimmung unter den Anlegern anhand verschiedener Kriterien analysiert und auf einen Wert zwischen 0 und 100 indexiert, wobei 0 extremer Panik entspricht und 100 extremer Gier, ist in den vergangenen Tagen in Folge stark gefallen, von um 50 auf nunmehr 22 und befindet sich damit bereits im Extreme Fear Bereich.

Meiner Erfahrung nach haben sich extreme Level von Angst und entsprechend niedrige Werte des Index in der Vergangenheit immer wieder als gute Kaufzeitpunkte erwiesen.

Gestern

Am 27.01

Am 23.01

Am 05.01

Kaufen oder verkaufen?

Trotz des starken Stimmungsabfalls ist es aktuell womöglich noch kein guter Kaufzeitpunkt und eventuell sogar ein Verkaufszeitpunkt, denn eine Viruswelle mit expotentiellem Wachstum in mehreren Ländern hat möglicherweise gerade erst begonnen.

Ich glaube, dass der Aktienmarkt erst jetzt damit beginnt, eine weltweite Coronavirus Pandemie einzupreisen, nachdem er China lange Zeit ignoriert hatte und die Kurse unentwegt weiter stiegen. Daher sehe ich die Gefahr eines noch kommenden echten Ausverkaufs am Aktienmarkt.

Hoffnung?

Es besteht natürlich die Hoffnung, dass eine weitere Verbreitung des Virus gelingen wird, doch die Wahrscheinlichkeit halte ich persönlich für gering aufgrund der oben genannten Gründe.

Als größte und wahrscheinlichste Hoffnung setzte ich auf die Möglichkeit, dass wie bei vielen anderen Viren auch wärmeres Wetter zu einem temporären Rückzug des Virus führen wird.

Damit wären die Auswirkungen wohl auf mehrere Wochen oder Monate begrenzt. Bis zum nächsten Winter könnte die Welt vermutlich einen Impfstoff oder sogar ein Heilmittel entwickeln.

Nichtsdestotrotz wird eine solche Entwicklung vermutlich noch Wochen dauern, in denen sich das Coronavirus in Europa ungehindert verbreiten kann und diese Erkenntnis zur weiteren Panik am Aktienmarkt beitragen kann.

Die möglichen Kosten einer Pandemie

Wie hoch die tatsächlichen wirtschaftlichen Folgekosten sein werden, ist zunächst einmal völlig unklar. Ein Vergleich mit SARS ist wohl kaum angebracht, da die Anzahl der Infizierten schon jetzt um den Faktor 10 übertroffen wurden.

Es liegt bei einer weltweiten Pandemie wohl eher nahe, einen Vergleich zur Spanischen Grippe zu ziehen, doch auch dies ist extrem schwierig.

Eines ist jedoch klar, sollten Menschen in ähnlichem Umfang wie in China in ihren Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt werden, wird die gesamte Wirtschaft darunter leiden und ich vermute, dass die Kosten in die hunderte von Milliarden gehen werden.

Realwirtschaftlich wäre dies jedoch kein Grund für eine Rezession oder einen Übergang in einen Bärenmarkt, denn dazu müssten die Kosten schon in den Billionenbereich wandern, woran ich aktuell noch zweifle.

Fazit

Meine Einschätzung ist, dass es in Folge der Coronavirus Ausbreitung kurzfristig in den nächsten Wochen zu einem noch deutlicheren Ausverkauf am weltweiten Aktienmarkt kommen kann.

Langfristig schätze ich jedoch, wird sich der Markt wieder erholen und die Weltwirtschaft nicht extrem genug im weiteren Wachstum gehemmt werden, sodass ein Bärenmarkt entstehen wird.

Als Langfristanleger kann man sich natürlich dazu entscheiden, dies im Rahmen von Buy und Hold auszusitzen.

Ich persönlich habe mich jedoch dazu entschieden, meinen Cashbestand stückweise auszubauen. Bereits vor mehreren Wochen hatte ich dies u.a. auf Twitter angekündigt.

Dies habe ich nun noch weiter forciert und unter anderem auch Wirecard Aktien verkauft, obwohl der KPMG Bericht vor der Tür steht. Allerdings habe ich meine Position lediglich reduziert, da ich weiterhin an den Erfolg von Wirecard glaube.

GSX Techedu gehört nachwievor zu den aussichtsreichsten Aktien überhaupt. Die aktuelle Krise wird meines Erachtens die Marktstellung des Unternehmens weiter verfestigen und den Trend hin zu online Bildung in China noch verstärken.

Das GSX Management hat in sehr smarter Weise die aktuelle Krise genutzt und unterstützt Bildungsorganisationen bei der Umstellung auf online oder stärkt die eigene Marke durch die Vergabe von freien Kursen während die Schüler aktuell zuhause bleiben müssen. Daher habe ich meine GSX Position weiter erhöht und halte an dieser fest.

Auch bei Appen sehe ich die Situation aufgrund des Geschäftsmodells weit weniger dramatisch, sondern sogar teilweise positiv, wie ich einigen Lesern in einem separaten Newsletter im Rahmen der kürzlich veröffentlichten FY19 Zahlen bereits dargestellt hatte.

Inmode hatte ich bereits deutlich reduziert. Leider ist der Short Investment Case bisher nicht aufgegangen. Der Markt preist wohl zunehmend hohe Folgen für InMode ein, denn bei einem Virusausbruch wird wohl kaum noch jemand freiwillig zum Arzt gehen, um Schönheitsprozeduren vornehmen zu lassen.

Meine hohe Cashposition werde ich nutzen, um im möglichen weiteren Ausverkauf stückweise Aktien hinzuzukaufen und meine Positionen wieder zu vergrößern, da ich aktuell nicht an ein Bärenmarktszenario glaube, sondern dies lediglich für eine Korrektur halte.

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