„Der Zinseszins ist das achte Weltwunder. Wer ihn versteht, verdient ihn; wer es nicht tut, zahlt ihn.“ Dies sagte Albert Einstein, Erfinder der Relativitätstheorie und einer der klügsten Menschen, der jemals über diese Erde wandelte. Man muss allerdings wirklich an Wunder glauben, um folgende Gleichung für richtig zu halten, oder doch nicht?

10 + 10 = 21

Offensichtlich hat der werte Autor den Mathematikunterricht der Grundschule völlig verschlafen und ist nicht einmal in der Lage, 1 und 1 zusammenzuzählen. So verrückt es erscheinen mag, aber diese Gleichung ist korrekt. Ja, wirklich! Wenn es um Geld geht, dreht sich die Sonne um die Erde, fallen Steine in den Himmel und wachsen Bäume in den Boden.

Geld besitzt tatsächlich die Fähigkeit, sich ganz von alleine zu vermehren. Wer einmal den Film Gremlins gesehen hat, weiß wovon ich rede. Wenn man Gismo mit Wasser besprüht, ihn nach Mitternacht füttert oder grellem Licht aussetzt, fängt es an auf seinem Rücken zu beben und im nächsten Moment springen kleine Wollknäule heraus, die sich innerhalb von Sekunden zu Zwillingsgismos entfalten. Macht man das gleiche nochmal mit den Duplikaten, hat man eine Stadt voller kleiner Monster, die alles auf den Kopf stellen. Wer sich seinen Weihnachtsabend also nicht ruinieren will, sollte also besser aufpassen, falls er sich einen Mogwai hält.

Die Magie des Zinseszinses

Selbstverständlich wird sich andererseits niemand beschweren, wenn aus Geld auf magische Weise plötzlich mehr Geld wird. Aber wie ist das überhaupt möglich? Kommen wir auf unsere verrückte Gleichung zurück und verdeutlichen wir das einmal an einem simplen Beispiel. Angenommen du hast 10 EUR und legst dieses Geld zu 10% Zinsen über 2 Jahre an.

Am Ende des ersten Jahres hast du:

100 EUR + 100 EUR x 10% = 100 EUR + 10 EUR = 110 EUR

Klar soweit, oder?

Am Ende des zweiten Jahres hast du dann und jetzt aufpassen:

110 EUR + 100 EUR x 10% + 10 EUR x 10% = 110 EUR + 10 EUR + 1 EUR = 121 EUR

Zusätzlich zu den 10 EUR Zinsen bekommst Du im zweiten Jahr noch einen 1 EUR quasi geschenkt dazu und so sind 10 + 10 doch 21. Diesen vom Himmel gefallenen 1 EUR nennt man Zinseszins.

Drehen wir das Thermometer mal richtig auf

Unser kleines Beispiel hat gezeigt, wie sich Geld scheinbar aus dem Nichts vermehrt und dabei mehr wird als die Summe seiner Teile. Nun ist natürlich 1 zusätzlicher Euro in zwei Jahren nett, aber kein Grund den eigenen Job hinzuschmeißen um im Wald tanzen zu gehen.

Um die wirkliche Macht des Zinsenzinses zu demonstrieren, müssen wir weiter in die Zukunft gehen, denn seine Kraft entfaltet sich erst über längere Zeiträume. Nehmen wir an, wir haben 10.000 EUR und wissen nicht, was wir damit anfangen sollen. Anstatt es einfach auf dem Konto liegen zu lassen, entscheiden wir uns zu investieren und schaffen es durch geschickte Anlage in den nächsten 30 Jahren im Schnitt 10% pro Jahr an Rendite zu verdienen.

Während in den ersten Jahren der Zinseszins kaum eine Rolle spielt und unbedeutend im Vergleich zu den Zinsen ist, wird er über viele Jahre zu einem wahren Wal. Im Jahr 30 machen Zinseszinsen bereits 77% des Gesamtkapitals aus, während Zinsen 17% beitragen und unser Startinvestment von 10.000 EUR nur noch 6% ausmacht. Insgesamt ist unser Geld durch Zinsen und Zinseszinsen um das mehr als 17fache angestiegen, aus 10.000 EUR wurden 174.000 EUR.

Mit Aktien zum Millionär

Wenn man nicht gerade reich geerbt hat, CEO der Deutschen Bank ist oder zufällig im Lotto gewinnt, scheint es für die meisten von uns doch ziemlich unmöglich zu erscheinen, jemals genug Geld zu besitzen, um sich Millionär nennen zu dürfen. Doch dieser Glaube ist falsch. Wer etwas Geld gespart hat, weiter monatlich spart, dieses Geld anlegt und den Zinseszins für sich arbeiten lässt, ist absolut in der Lage, Millionär zu werden.

Gelingen kann dies jedoch nur, wenn man auch auf die richtige Anlage setzt. Viele Leute setzen lieber auf Sicherheit anstatt auf Rendite. Sie lassen ihr Geld auf dem Konto liegen, kaufen ein Haus und wohnen darin oder kaufen sich Goldbarren. Andere entscheiden sich, ihr Geld für sich arbeiten zu lassen und investieren in Aktien. Wie diese unterschiedlichen Geldentscheidungen im Vergleich abschneiden, kann man in den folgenden Übersichten sehen.

Reine Sparer, reine Hauseigentümer und reine Goldinvestoren

Startkapital: 10.000 EUR, 20.000 EUR, 50.000 EUR

Monatliche Sparrate: 200 EUR, 500 EUR, 1000 EUR

Fazit: Kaum Jemand, der sein Geld nur auf dem Konto liegen lässt, all sein Geld in sein eigenes Haus steckt, oder seine Goldbarren in im Bankschließfach hortet, wird in 30 Jahren die 1Mio EUR erreichen.

Fondinvestoren, Aktieninvestoren, Stock Picker

Startkapital: 10.000 EUR, 20.000 EUR, 50.000 EUR

Monatliche Sparrate: 200 EUR, 500 EUR, 1000 EUR

Fazit: Alle drei Gruppen schaffen die Million spätestens nach 30 Jahren. Als Fondanleger muss man jedoch mit mindestens 50.000 EUR und einer Sparquote von mindestens 1.000 EUR pro Monat 30 Jahre lang warten. Als guter Stock Picker, der sich mit Aktien beschäftigt und über die Jahre immer besser wird, kann schon mit einem kleinen Startkapital von 10.000 und einer niedrigen Sparrate von 200 EUR pro Monat die 1 Million nach 20 Jahren erreichen. Wer richtig spart und anstatt eines Hauses, voll auf Aktien setzt und diese mit Bedacht auswählt, kann in 30 Jahren viele Millionen anhäufen und als gemachte Frau oder Mann in Rente gehen.

Auf was man sein Geld setzt, macht wortwörtlich einen riesigen Unterschied

Die eben geschilderten Szenarien wurden alle samt ohne den Einfluss von Inflation und Kosten gerechnet (jedoch netto nach Steuern). Speziell Haussparer werde sich wundern, dass sie nach allen Kosten für Instandhaltung, Steuern etc. am Ende nicht einmal eine positive jährliche Rendite erhalten, obwohl sie beim Hausverkauf nach 10 Jahren keine Einkommenssteuer zahlen müssen, während bei allen Aktieninvestments 26,6% Kapitalertragssteuer und Solidaritätszuschlag anfallen. Ein Hausbesitzer ist nach 30 Jahren Arbeit weit abgeschlagen im Vergleich zu Aktieninvestoren. Er besitzt zwar sein Haus und genießt den damit verbundenen Luxus, zahlt dafür aber einen sehr hohen Preis.

Die angegeben Renditen sind übrigens nicht von mir erfunden, sondern stammen aus einer Studie von Credit Suisse aus dem Jahr 2018, in der die Analysten die Renditen von verschiedenen Anlageklassen von 1900 bis 2017 analysiert haben. Der eine oder andere wird einwenden, dass speziell in den letzten Jahren die Immobilienpreise stark angestiegen sind und daher die Rendite eines Hauskaufes eigentlich viel höher sei. Sicherlich gibt es immer wieder Zeiten, in denen Immobilienpreise so stark steigen wie jetzt, jedoch gab es auch viele Zeiten in denen es umgekehrt war. Wer eine Immobilie kauft, bezahlt meist über mehrere Jahrzehnte ab und muss daher viel längere Zeiträume betrachten als die letzten paar Jahre. In der Studie von Credit Suisse wird darauf ebenfalls eingegangen. Ich empfehle sie zu lesen.

Mehr über das eigene Haus als Investment und warum es eine überschätzte Investition ist, könnt ihr hier nachlesen: Link zum Artikel einfügen.

Mach deine eigene Analyse!

Um Geldanlage visuell verständlicher zu machen für jeden, habe ich ein Excel Tool gebaut, mit welchem man auf einen Blick sehen kann, wie lange man mit welcher Art von Anlage braucht, um sich ein bestimmtes Vermögen aufzubauen. Dann könnt ihr selbst herausfinden, was möglich ist und wann ihr zum Millionär werden könnt.

Hier ein Auszug aus dem Tool:

  • Einfach euer Startkapital, monatliche Sparrate und eure persönlichen Vermögensziele eintippen
  • Schon seht ihr auf einen Blick, wie lange ihr mit verschiedenen Anlageklassen braucht, um eure Ziele zu erreichen
  • Das Tool nicht nur die Versteuerung der verschiedenen Anlageklassen, sondern lässt euch auch noch die Wahl, ob ihr die Geldentwertung berücksichtigen wollt

–> Hier gehts zum Money Wizard

Ohne Inflation und Kosten

Mit Inflation und Kosten

Fazit

Es lohnt sich über Geld nachzudenken und nicht das zu tun, was fast alle tun. Wer richtig spart und lernt sein Geld zu investieren, hat einen riesigen Vorteil. Anstatt der Rente ängstlich entgegenzu-blicken, kannst Du wahrscheinlich schon viel früher in Rente gehen als die meisten anderen und das ohne Dich um Geld sorgen zu müssen.

Der Zinseszins ist eine unglaubliche Erfindung der Natur und wir machen einen Fehler, wenn wir ihn zahlen, anstatt ihn zu verstehen und ihn zu verdienen.

4 COMMENTS

    • Hallo Björn, danke für deinen Kommentar. Nun, 20% sind schon sehr gut ja, aber der Beitrag soll eben auch zeigen, was möglich ist. 15%-20% vor Steuern sind definitiv drin.

      • Find ich auch schon extrem stark, wenn man das langfristig schafft. Große aktive Fondsmanager wie Flossbach von Storch, Multiple Opportunities, schaffen das nicht mal. 15% wären eine Verdopplung in 5 Jahren. Schau Dir mal seinen Chart an. Er hat eher so 35% in 5 Jahren gemacht, und das bei doch eigentlich recht gutem Marktumfeld.

        Aber ja, man darf ja Ziele haben 🙂 Ich denke, es ist nur wichtig, hinterher nicht enttäuscht zu sein.

        • In der Tat, die meisten Fondmanager underperformen ihre Benchmarks. Ich schreibe gerade einen Artikel darüber. Es geht aber auch nachweislich anders. Schau mal hier: https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf00esi893. Dieses Wikifolio kauft nur Nebenwerte, keine Optionsscheine oder Zertifikate und schafft 75% p.a. Der Stil des Wikifolio Inhabers ist allerdings schwer nachahmbar. Mein Plan ist, hier Aktien vorzustellen, die das Potential haben, sich innerhalb weniger Jahre zu vervielfachen. Diese gibt es tatsächlich, allerdings findet man sie meist nicht in Magazinen wie dem Aktionär und meistens handelt es sich auch nicht um deutsche Aktien, aber es gibt sie.

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