Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Dan Mccrum, Redakteur der Financial Times und Mastermind hinter the House of Wirecard, an Demenz leidet. In die lange Reihe von Wirecard Artikeln reiht sich nun ein weiteres Mitglied mit dem schlagenden Titel „Wirecard’s singular approach to counting cash“ und wieder stürzt die Wirecard Aktie ab. Neue Verpackung, alte unausgereifte, unprofessionelle und inkorrekte Analyse von vermutlich gehackten internen Wirecard Dokumenten.

Dies ist mein zweiter Artikel zum Thema „Al Alam“. Wer sich für das Thema interessiert, sollte daher unbedingt diesen Artikel ebenfalls lesen:

https://sharewizard.de/die-wahrheit-uber-die-al-alam-und-die-anschuldigungen-gegen-wirecard/

Im weiteren Text werde ich die Behauptungen der FT darlegen und sie mit denselben Dateien widerlegen, die Mccrum für seine Anschuldigungen nutzt.

Um welchen Financial Times Artikel über Wirecard geht es denn eigentlich?

FT Artikel vom 09.12.2019

https://www.ft.com/content/845b0dce-1836-11ea-9ee4-11f260415385

FT Artikel vom 15.10.2019

https://www.ft.com/content/19c6be2a-ee67-11e9-bfa4-b25f11f42901

Welche Wirecard Dateien sind relevant?

Beide Dateien können von der URL des FT Artikel vom 15.10.2019 heruntergeladen werden

  • Uebersicht Dritt-Acquirer 2017-06-30 Stand 20-07-2017 V1.xlsx
  • Q4 2017 Monitoring CR_intern (Some FT Redactions).xlsx

Was behauptet die Financial Times?

  1. Von Wirecards Cash Bestand per 31.03.2017 in Höhe von 1,45Mrd EUR, seien 334m EUR den Trustee Accounts in Verbindung mit Al Alam, einem Wirecard Partner, zuzuordnen. Es wird impliziert, dass Al Alam aufgrund seiner geringen Größe unmöglich in Verbindung mit 23% des gesamten Cash Bestandes von Wirecard stehen könne und das Unternehmen ebenfalls beim Cash Bestand betrüge
  2. Es wird auch angezweifelt, dass Trustee Accounts überhaupt dem eigenen Cash Bestand des Unternehmens zuzuordnen seien. Ein Accounting Professor namens Collins Ntim bezeichne dies als „agressive accounting“

1.) Wo findet kommt die 334 Millionen Cash Position, von denen die FT spricht:

FT Artikel vom 15.10.2019

Datei: Uebersicht Dritt-Acquirer 2017-06-30 Stand 20-07-2017 V1.xls

Tab: Stand 20.07.2017

Zellen: E33 + F33 = 333.916.018 EUR (siehe Bild)

Datei: Uebersicht Dritt-Acquirer 2017-06-30 Stand 20-07-2017 V1.xls

2.) Ist dieser Wert von 334 Millionen repräsentativ für die Relevanz von Al Alam für Wirecard?

  • Nein. Schon die Überschriften sind zweideutig, denn es gibt zwei Überschriften: Al Alam und Card Systems bzw. WD UK & Ireland. Woher soll man wissen, ob es nun um Al Alam oder Card Systems geht? Es ist wahrscheinlich, dass die Überschrift Al Alam nur dazu dient, die Verbindung und Bedeutung des Knotenpunktes Al Alam zu verdeutlichen
  • Die Werte für Umsatzerlöse auf der gleichen Seite entsprechen nicht den tatsächlichen Umsätzen mit Al Alam. Die Werte weichen extrem stark von den Werten in der Datei (2) ab, die aber viel mehr Details enthält und daher glaubwürdiger ist
  • Eine Detailanalyse der Umsätze in Datei (2) hat gezeigt, dass Al Alam nur einen Umsatzanteil von 5% in 2017 hatte und nicht wie von der FT behauptetet 50%
  • Wenn die Umsätze in Datei (1) nicht repräsentativ sind, dann ist es der Cashbestand auf Trustee Konten ebenso wenig

Die Investor Relationsabteilung von Wirecard hat den einstelligen Umsatz % Anteil Al Alams am Wirecard Gesamtumsatz telefonisch bestätigt und die Behauptung Mccrums dazu widerlegt. Diese Widerlegung impliziert ebenfalls die Behauptung zum Cashbestand, der auf den gleichen Daten beruht.

Eine weiter offizielle Stellungnahme der Investor Relations Abteilung gibt es hier

Mehr Details zum Umsatzanteil von Al Alam, könnt ihr im anfänglich erwähnten ersten Artikel zu Al Alm auf Sharewizard.de nachlesen:

3.) Sind Trustee Accounts dem Cashbestand zuzuordnen oder nicht?

Nach den IFRS (IAS 1) ist der Cashbestand als Asset auf der Bilanz zu zeigen, wenn

  • Die Resource vom Unternehmen kontrolliert wird
  • Die Resource genutzt werden kann, um ökonomische Vorteile daraus zu ziehen

Ob diese Bedingungen erfüllt sind, muss eine Beurteilung des jeweiligen Sachverhalts bestimmt werden. Allerdings sind hier zwei Dinge ganz entscheidend, die Mccrum außer Acht lässt:

  1. Die Beurteilung, welche Positionen dem Cashbestand zuzurechnen sind, sind Teil der Jahresabschlussprüfung. Ernst & Youngs hat einen uneingeschänkten Bestätigungsvermerk vergeben und damit all diese Positionen und ihre Richtigkeit bestätigt
  2. Trustee Konten als Aktiva zu bilanzieren erfordert ebenfalls die parallele Bilanzierung einer Verbindlichkeit, sodass die Bilanz ausgeglichen wird. Das Unternehmen rechnet sich somit nicht reich, sondern kann lediglich über quasi geliehenes Cash verfügen. Das ist das grundsätzliche Geschäftsmodell einer jeden Bank oder jeder Person, die einen Kredit aufnimmt.

Details zur Thematik z.B. hier:

https://www.grantthornton.global/globalassets/1.-member-firms/global/insights/article-pdfs/ifrs/accounting-for-client-money-ifrs-viewpoint-1.pdf

Schlussfolgerung:

Mccrums „House of Wirecard“ ist ein schräges Gebilde, dass auf einem äußerlich stabil erscheinenden, aber innerlich hohlen Fundament steht. Um seine Artikel glaubwürdiger zu machen, hinterlegt er sie mit gehackten internen Dateien. Allein dieser Fakt ist, gelinde gesagt, schräg. Es werden keine Fakten präsentiert, sondern nur Vermutungen mit dem einzigen Ziel, Unsicherheit zu schaffen und dem Unternehmen Wirecard, seinen Mitarbeitern und seinen Aktionären zu schaden.

Die Mehrheit der Leute akzeptiert wohl seine Artikel, so wie sie sind, denn der Glücksspiel- und Porno zahlungsdienstleister Wirecard wurde endlich überführt und entlarvt. Doch bevor man sich eine Meinung bildet, sollte man die Fakten überprüfen. Die meisten Medien tun dies leider nicht. Diese sprechen eine eindeutige Sprache, sind sie doch klar anhand der Dateien belegbar. Es wird Zeit, sich der Wahrheit zu verschreiben und Mccrums „House of Wirecard“ niederzubrennen.

Das beste Anzeichen für die Stabilität des Geschäftsmodells von Wirecard ist die ständige Neukundengewinnung. Kürzlich ist Getyourguide, eines der vielversprechensten deutschen Unicorns hinzugekommen.

Burn Baby burn!

8 COMMENTS

    • Hallo Floby, vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass der Beitrag gut bei dir ankam. Ich bemühe mich, möglichst neutral, die Fakten aufzuzeigen, sodass sich jeder selbst ein Bild machen kann. Beste Grüße

  1. To draw a picture, you need colors, colors are fixed facts. You cant say, I am coloring a tree green, when the color in front of you is mmm perhaps not green, maybe yellow…but what the heck…I will use it as green. That is exactly how DanMcCrum presents his information. Meaningless colors…maybe blue, green, yellow, zero facts. And then he paints his own pictures that just dont seem right. This article is a true representation on how to not just make up assumptions, but to lay down the correct actual colors that are facts, and then draw a meaningful picture using those colors. Thanks ShareWizard!

    • Hi Jenny, thanks for your colorful comment. That’s a really nice metaphor! Great you found your way to this site even it is in german…..so far…

  2. Great site. Lots of helpful info here. I am sending
    it to several pals ans also sharing in delicious.
    And certainly, thank you on your effort!

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